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Bodyoide - lebende Körper, die weder denken noch Schmerz empfinden können

Drei große Glaszylinder mit Flüssigkeit, in denen künstliche menschliche Körper ohne Kopf liegen. Sichtbar sind Lunge, Herz, Leber, Magen und Darm; der mittlere Körper steht im Vordergrund.
Bild: KI-generiert

Weltweit herrscht ein chronischer Mangel an Spenderorganen und geeignetem Gewebe. Diese Knappheit hemmt den medizinischen Fortschritt und zwingt die Forschung, auf unvollkommene Alternativen zurückzugreifen, wie etwa Tierversuche. Doch Tiere bilden viele Aspekte der menschlichen Physiologie nur unzureichend nach. Was bei Mäusen funktioniert, ist oft nicht auf den Menschen übertragbar. Auch klinische Studien an lebenden Menschen sind weiterhin notwendig, jedoch aufwendig und riskant für die Gesundheit der Teilnehmenden.

Vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen gewinnt ein neuer Lösungsansatz zunehmend an Bedeutung, sogenannte Bodyoide. Dabei handelt es sich um lebende menschliche Körper, die keine neuronalen Strukturen besitzen und deshalb weder denken noch Schmerz empfinden können. Sie könnten als "Ersatzkörper" genutzt werden, etwa in der Medizin als Quelle für Organe oder für Medikamententests verwendet werden und Tierversuche ersetzen. Ihre Herstellung könnte durch pluripotente Stammzellen und durch Entwicklungen im Bereich künstlicher Gebärmütter möglich werden. Durch gezielte genetische Eingriffe kann verhindert werden, dass sich ein Gehirn entwickelt. So entsteht ein Körper mit menschlichen Merkmalen, aber ohne Bewusstsein.

Ein zentrales Thema dabei ist die gesellschaftliche Akzeptanz. Viele Menschen empfinden das Konzept als beängstigend. Die Idee, menschliche Körper ohne Bewusstsein im Labor zu erschaffen, wirft tiefgreifende ethische Fragen auf. Würden Bodyoide als Menschen betrachtet, weil sie uns äußerlich ähnlich sind oder weil sie unsere DNA tragen? Oder wären sie lediglich biologische Werkzeuge, ohne ethischen Status? Diese Fragen berühren unser Verständnis, was einen Menschen im eigentlichen Sinne ausmacht.

Neben Bodyoiden verfolgen Wissenschaftler weitere Ansätze zur Bekämpfung des Organmangels, etwa die Entwicklung gentechnisch veränderter Tierorgane, insbesondere von Schweinen. Durch gezielte genetische Eingriffe sollen deren Organe vom menschlichen Immunsystem besser akzeptiert werden. Inzwischen wurde sogar eine genetisch angepasste Schweineniere erfolgreich einem lebenden Menschen transplantiert.

Eine weitere umstrittene Möglichkeit besteht in der Erzeugung synthetischer Embryonen. Dabei handelt es sich um embryoähnliche Strukturen, die aus Stammzellen entstehen, ohne dass eine Befruchtung durch Ei- und Samenzellen stattfindet. Diese Forschungsrichtung wirft komplexe ethische und rechtliche Fragen auf, beispielsweise ob für solche Modelle dieselben Schutzbestimmungen gelten sollten, wie für natürliche Embryonen.

Auch in der Medikamentenentwicklung werden alternative Modelle entwickelt:

  • Miniaturisierte Zellansammlungen, sogenannte "Organe auf Chips", simulieren die Funktion menschlicher Organe auf kleinstem Raum.
  • Ebenso arbeiten Forschende an digitalen Zwillingen, computergenerierten Repliken menschlicher Organe, die für Simulationen genutzt werden können.

Beide Methoden könnten Tierversuche langfristig ergänzen oder sogar ersetzen. Dennoch bieten Bodyoide den Vorteil, dass sie vollständige biologische Systeme abbilden und sich dadurch besonders als realitätsnahe Grundlage für Tests und medizinische Untersuchungen eignen.

Zu den ethischen Fragen zählt auch, wer die Einwilligung zur Nutzung der Zellen gibt, aus denen die Bodyoide entstehen. Dürfen Körper, die nie ein Bewusstsein entwickeln, dennoch als Menschen gelten? Ist es moralisch vertretbar, sie über viele Jahre zu züchten, bis sie für medizinische Anwendungen vollständig entwickelt sind und was passiert mit ihnen nach ihrer Verwendung? Könnte sich durch Bodyoide unsere Sichtweise auf Menschen verändern, die sich im Koma befinden oder mit schweren geistigen Behinderungen leben?

Die Geschichte zeigt, dass neue Technologien wie die künstliche Befruchtung zunächst auf große Skepsis stießen, heute aber weitgehend akzeptiert sind. Bodyoide könnten künftig Organe für Transplantationen liefern, individuell angepasste Therapien ermöglichen und Tierversuche verringern. Wissenschaft, Ethik und Gesellschaft müssen gemeinsam abwägen, wie verantwortungsvoll mit dieser Möglichkeit umzugehen ist.