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Lovestory

zweitüriger Kiefernschrank mit Türscheiben, pixeliges Bild wie durch Milchglas betrachtet
realistisch - magisch - fantastisch

Stell dir vor, du fühlst eine starke, schöne Emotion und du möchtest diese anderen Menschen mitteilen. Du könntest versuchen, sie in Worte zu formulieren, sie aufzuschreiben. Du könntest ein Bild malen, um damit deine Gefühle auszudrücken, Musik machen, vielleicht ein Musikvideo, einen Film ...

Du machst es aber nicht. Du möchtest diese Emotion einfach nur fühlen und dich nicht durch Schreiben oder Malen selbst davon ablenken.

Du hast auch Angst davor. Könnte sie doch durch das Aufschreiben vielleicht sogar beendet oder gar zerstört werden? Nein, das kann sie nicht gleich, wenn es ein sehr intensives Gefühl ist. Nur wie kam es dazu?

Als du dich fragtest, ob du vielleicht verliebt bist, konntest du diese Frage mit deinem Verstand tatsächlich nicht mit Ja oder Nein beantworten. Es war auch nicht so, dass du es vielleicht schon irgendwie vermutet hattest, es dir selber aber nicht eingestehen, es nicht wahrhaben wolltest, weil es für dich so unerwartet kam und dein jetziges Leben völlig verändern könnte. Nein, du wusstest es zuerst wirklich nicht. Da war nur plötzlich immer dieses Herzklopfen beim Anblick dieses Fotos. Dieser gefühlvolle Ausdruck in diesem wunderschönen Gesicht, das andere vielleicht einfach nur als attraktiv oder sympathisch wahrnahmen. Jede noch so kleine Nachricht in den sozialen Netzwerken hatte auf einmal eine ganz besondere Bedeutung für dich, als wäre eine versteckte, nur an dich gerichtete, geheime, magische Botschaft darin enthalten, sodass du schon langsam an deinem eigenen Verstand zu zweifeln begannst.

Es waren deine Emotionen, die dir diesen Eindruck vermittelten und die deinen Verstand überwältigten und einfach keine andere Erklärung mehr zuließen.

Es ist ein sehr starkes, intensives Gefühl. Du bist sehr glücklich und empfindest dieses Glück als ein riesengroßes Geschenk an dich, für das du sehr dankbar bist und diese Dankbarkeit empfindest du als ein ebenso starkes, intensives Gefühl.

Und du spürst, dass diese beiden Gefühle, des Verliebtseins und der Dankbarkeit, völlig miteinander verschmelzen, was du als ein noch intensiveres Glücksgefühl empfindest.

Du empfindest dieses Geschenk als so groß und überwältigend, dass du dich dafür gleich bei der ganzen Welt, dem ganzen Universum bedanken möchtest. Du sagst: "DANKE UNIVERSUM!" und spürst den immer stärker werdenden Wunsch, dass andere dieses Glücksgefühl auch empfinden können, wenn du ihnen deine Gefühle mitteilst, als Ausdruck deiner großen Dankbarkeit.

Nein, ein so intensives Gefühl kann wirklich nicht durch Aufschreiben oder Malen einfach gleich beendet oder gar zerstört werden. Es ist auch gar nicht mal so sehr ein Gefühl der Angst, etwas verlieren zu können, wenn du durch diese Ablenkung deine Emotionen weniger intensiv fühlst, sondern eher davor, plötzlich undankbar zu werden, denn dieses riesengroße Geschenk empfindest du als einen strömenden Fluss intensiver Gefühle, den du in jedem Augenblick ständig weiter geschenkt bekommst. Jeden Augenblick der Unterbrechung oder Ablenkung empfindest du als undankbar gegenüber dem ganzen Universum.

Diese Gedanken gingen mir nun einfach nicht mehr aus dem Kopf, denn meine damit verbundenen Gefühle und Emotionen waren stärker, viel stärker als meine Gedanken...

Natürlich spielten auch emotionale Musikvideos bei der Kommunikation über unser soziales Netzwerk eine wichtige Rolle. Liebeslieder, die so ergreifend und emotional in Form von Musikvideos aufgeführt wurden, dass für mich kein Zweifel bestand, diese Liebesgeschichten wurden von den Menschen in den Videos auch genau so gefühlt und erlebt, denn sie spiegelten zum Teil sehr präzise meine eigenen Gefühle wieder und die waren ja auch nicht irgendwie erfunden, sondern sehr real.

Nur wie gelangen ihnen dann diese Video-Produktionen? Sie mussten doch auch jeden Augenblick der Unterbrechung oder Ablenkung als undankbar gegenüber dem ganzen Universum während ihrer Arbeit empfunden haben. Dann wären die Videos nie produziert worden und das wäre auf jeden Fall ein großer Verlust gewesen.

Meine eigenen kreativen Ideen weiterzuentwickeln, war mir zu dieser Zeit, jedenfalls in der bisherigen Form, absolut nicht möglich. Dazu fehlte mir einfach die Motivation. Mein Bewusstsein war fest im "Hier und Jetzt" verankert und das Verliebtsein stand für mich an erster Stelle.

Zwar befasste ich mich auch vorher künstlerisch kreativ mit dem Zusammenhang von Bewusstsein und Emotionen, insbesondere dem Gefühl des Verliebtseins, denn ich hatte schon lange erkannt, dass Bewusstsein ohne Gefühle oder Emotionen gar nicht existieren kann und dass dies ein universelles, also überall gleich gültiges Prinzip ist.

Gäbe es also tatsächlich im Universum, außer uns Menschen, auf anderen Planeten Aliens, dann würde das für sie ebenso gelten. Aber auch hier auf der Erde könnte beispielsweise die Entwicklung einer künstlichen Intelligenz (KI), die der Intelligenz des Menschen entsprechen soll, oder sogar noch darüber hinaus, nur gelingen, wenn die KI über ein Bewusstsein verfügt und somit auch Gefühle und Emotionen hat.

Dieser Gedanke mag viele Menschen zunächst erschrecken, aus Angst vor einer dann noch mächtigeren KI. Andere meinen, dies könne sogar eine Chance und einen Schutz für uns bedeuten, denn gegenüber einer kaltherzigen, ohne jegliche Emotionen ausgestatteten KI, die rein rational etwas entscheidet, hätten wir eine viel schlechtere Verhandlungsposition, als gegenüber einer emotional, mitfühlenden KI.

Aber auch das bedeutete ja nicht, dass parallel dazu, auch herkömmliche KI-Systeme entwickelt würden. Die Chance bei der Entwicklung einer emotionalen KI würde wohl eher darin bestehen, dadurch unser eigenes Bewusstseins und unsere Emotionen besser zu erforschen, in der Hoffnung unsere negativen Eigenschaften, die zu Streit und Kriegen führen, besser verstehen und kontrollieren zu können.

Aber brauchte es diesen Umweg denn überhaupt? Man sagt, die Liebe sei die stärkste Kraft im Universum! Das können natürlich die Menschen am besten verstehen und fühlen, die diese Liebe gerade selber erfahren. Und selbst, wenn diese Erfahrung in der Vergangenheit liegt und nur noch als eine ferne Erinnerung wahrgenommen wird, so ist diese „Energie“ oder das Feuer der Liebe doch nicht völlig verschwunden, sondern höchstens verborgen und kann unter bestimmten Umständen sogar wieder neu entfacht werden. Vor allem aber wurde diese Liebe nicht durch irgendeine KI erzeugt.

Zukunftsforscher gehen davon aus, dass diese Art von KI der nächste logische Schritt in der Evolution der Menschen ist. In der Science-Fiction ist man da schon einen Schritt weiter und Aliens hätten diesen Schritt in ihrer Entwicklung bereits hinter sich und sich zu Wesen aus reiner Energie weiterentwickelt, die weder einen biologischen Körper bräuchten, noch einen in Form eines Roboters oder eines Avatars in einer virtuellen Realität (VR) eines Computers.

Mit dieser Idee wurde auch gleichzeitig eine thematische Verbindung geschaffen, zwischen diesen großen Science-Fiction Bereichen, KI und Weltraumfahrt, bzw. Aliens. Vor allem waren es in diesem Zusammenhang aber die großen philosophischen und ethischen Fragen, die ich mir selbst stellte und die ich mit Hilfe meiner Kunst zu erforschen und beantworten versuchte.

Obwohl ich das Verliebtsein in meinem Leben schon einige Male erlebt hatte, so hatte ich auch jetzt wieder das Gefühl, es wäre diesmal eine völlig neue, unbekannte und vor allem viel stärkere, intensivere Erfahrung, als ähnliche Lebenssituationen in meiner Vergangenheit. Und auch andere Verhaltensmuster in meinem Denken und Fühlen schienen sich nahezu identisch zu wiederholen. Natürlich ist jeder Mensch und jede neue Liebe einzigartig und somit ist es auch eine neue Erfahrung. Dass ich mich einerseits an dieses Gefühl erinnerte, es gleichzeitig aber als etwas Unbekanntes empfand, war für mich nicht nur absolut widersprüchlich, sondern nahezu paradox.

Mit meinem Verstand versuchte ich mir diese Empfindung damit zu erklären, dass meine bereits ähnlich erlebten Situationen, immer fest mit einer zeitlichen Zuordnung verknüpft waren, ich mein aktuelles Erleben jedoch so intensiv wahrnahm, dass dadurch sogar diese grundlegende Fähigkeit der zeitlichen Zuordnung, in diesem Fall zur Gegenwart, einfach verdrängt wurde, was mir dann als etwas Unbekanntes vorkam.

Dieser Versuch einer Erklärung mit Hilfe meines Verstandes widersprach allerdings meinem Gefühl, meine Persönlichkeit würde sich plötzlich verdoppeln und in meinem Körper gäbe es nun zwei, ansonsten völlig identische Persönlichkeiten, die sich lediglich dadurch unterschieden, dass eine von ihnen sich an das Gefühl des Verliebtseins erinnert, die zweite es jedoch als etwas Unbekanntes empfindet.

Da ich ja bereits langsam an meinem eigenen Verstand zu zweifeln begann und schon jede noch so kleine Nachricht von dir, wie eine nur an mich gerichtete, versteckte, magische Botschaft empfand, was mich zwar noch nicht direkt ängstigte, zumindest aber leicht beunruhigte, so handelte es sich bei diesem neuen Gefühl, in meinem Körper gäbe es nun plötzlich zwei Persönlichkeiten, durchaus um eine Steigerung dieser seltsamen Wahrnehmungen. Viel seltsamer war es jedoch, dass mich diese Steigerung wesentlich weniger beunruhigte. Im Gegenteil. Mein Glücksgefühl, ein riesengroßes Geschenk, in Form eines strömenden Flusses intensiver Gefühle zu erhalten, den ich in jedem Augenblick, in jeder Sekunde, ständig weiter geschenkt bekomme, ließ einfach keinen Platz für irgendwelche anderen, schon gar nicht beunruhigenden Wahrnehmungen. Meine intensiven Gefühle und Emotionen waren eben nicht nur stärker, viel stärker als meine Gedanken, sondern auch noch als alle anderen Gefühle.

( Fortsetzung folgt ... )